Maximalismus: Das solltest Du unbedingt über den Mode-Trend wissen

Jetzt wird‘s bunt: Im Sommer sind knallige Farben, wilde Muster und ausgefallenen Designs angesagt. „Maximalismus“ heißt der Trend und er ist perfekt für alle, die „Statement-Kleidung” lieben: ausdrucksstarke, ausgefallene Klamotten, die Aufsehen erregen. Wenn Du wissen willst, was hinter dem Trend steckt: Hier ist mein Guide für Einsteiger.



Was ist Maximalismus

Maximalismus ist ein Stil, bei dem es rundum üppig zugeht. Mehr ist mehr – weniger ist langweilig! Die Maximalisten gehen mutig mit Farben, Mustern und Texturen um, mischen sie wild und tragen bewusst dick auf – oft auch im übertriebenen Sinne. Sie mixen gerne Dinge aus verschiedenen Stilrichtungen und Jahrhunderten zusammen. Auch Vintage ist unter Maximalist*innen sehr beliebt! Besonders die Blumenmuster und psychedelischen

Kreise aus den 60iger- und 70iger-Jahren lassen die Herzen der Maximalist*innen höher schlagen. Aber auch Omas Häkelwerke sind wieder angesagt, zum Beispiel kombiniert mit schottischen Mustern oder Silber- und Goldstoffen. Im Maximalismus gibt es keine Grenzen. Kreativität und Spaß sind das oberstes Gebot!


Der Maximalismus-Trend ist nicht neu. Schon in den 1960er-Jahren waren auffällige Prints, ausgefallene Schnitte und ungewöhnliche Materialien In. In der Designwelt ist Maximalismus sogar noch älter: Im 19.Jahrhunderts wurde im Viktorianischen Zeitalter jede freie Oberfläche im Haus dekorativ gestaltet - mit auffälligen Tapeten, schweren Teppichen oder ausschweifenden Accessoires.


In Deutschland leben wir seit den 1980er Jahren eher minimalistisch: Je weniger, desto besser. Viele deutschen Wohnzimmer sind so nordisch-kühl eingerichtet, dass man am liebsten eine Jacke anziehen würde. Doch auch hier hält langsam der Maximalismus Einzug. Knallgrüne Sofabezüge, gemusterte Tapeten kombiniert mit verschnörkelten viktorianischen Möbeln und Antiquitäten lösen das kühle nordische Design ab.“



Wieso ist Maximalismus in der Mode gerade jetzt so angesagt?

Auch auf den Laufstegen ging es in den letzten Jahren eher minimalistisch zu. Doch in diesem Jahr ist der Hunger nach Farbe, Mustern und ausgefallenen Designs so groß wie nie. Der Auslöser dafür ist vermutlich die Pandemie.


Noch bis Anfang 2020 galt es als cool, sich möglichst minimalistisch zu kleiden und in seinen Lebensgewohnheiten bewusst einzuschränken. Doch durch die Pandemie ist vielen Menschen klar geworden, wie schwer das Leben mit Einschränkungen wirklich ist. Durch die erzwungene Isolation ist die Welt um uns herum plötzlich nicht mehr laut und bunt – sondern eintönig.


Aus diesem Gefühl heraus ist das Verlangen nach fröhlichen Designs und bunten Oberteilen erwachsen. Wenn schon alles grau und trist ist, wieso dann nicht wenigstens ein Outfit anziehen, das einen maximal glücklich macht? Wieso nicht einfach abtauchen in eine Welt voller Kreativität und Phantasie?


Hinzu kommt: Nach mehr als zwei Jahren im Home-Office kann man die graue Jogginghose und die beigefarbenen Socken einfach nicht mehr sehen. Mode war schon immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit – und jetzt ist die Zeit für knallige Farben gekommen. Nach den vielen Lockdowns dienen sie uns als Aufmunterung und Inspiration. Aber auch als Zeichen von Hoffnung und Neuanfang nach der Pandemie.



Drei maximalistische Styling Tipps für Anfänger:

Vergiss einfach alles, was du bist jetzt über “Was passt zusammen und was nicht“ gelernt hast. Mir als Kind der 80er-Jahre fiel das anfangs ziemlich schwer.


Denn ich erinnere mich noch sehr gut an die Shopping-Trips mit meiner Mutter. Wir waren oft in angesagten Damen- und Kinder-Boutiquen unterwegs. Und oft gaben uns die Verkäuferinnen dort Ratschläge, wie man was kombinieren kann und was so gar nicht geht. Manche Sätze sind mir bis heute im Ohr geblieben - zum Beispiel: „Diese Farben beißen sich“ wenn ich als Kind nach rosa und rot gleichzeitig griff.


Heute würde ich meine Kinder dafür feiern, wenn sie rosa und rot gleichzeitig anziehen würden. Genau das ist Maximalismus! Man muss jetzt nicht gleich von der grauen Jogginghose zum übertriebenen maximalistischen Outfit übergehen. Aber ich finde, es lohnt sich, den Trend im Kleinen auszuprobieren. Und es macht ja wirklich Spaß, einfach mal etwas “Gewagteres“ anzuziehen, oder?


Meine 3 Tipps, die dir den Einstieg leichter machen:


1. Verschiedene Muster kombinieren

Lange galt es als absolutes “No Go”, verschiedene Muster zu kombinieren. Das ist jetzt passé - also trau dich was! Was gut zusammen passt, sind zum Beispiel

  • kleine Muster mit großen Mustern

  • karierte Muster mit Blumenmustern

  • gepunktete Muster mit Blumenmustern oder Streifen

Um verschiedene Muster optimal zu mixen, wählst Du am besten zwei Muster, die sich farblich und stilistisch absolut nicht ähneln. Falls Dir das zu wild ist, kannst Du auch zwei Muster nehmen, die sich zwar im Design unterscheiden, (z.B. ein florales Muster und ein Karomuster) aber farblich zusammen passen.

--> Mein Extra-Tipp: Achte darauf, dass nicht das komplette Outfit aus Mustern besteht. Zur Abrundung passen z.B. einfarbige Blazer oder Jeansjacken und -hosen.


2. Komplementäre Farben zusammen tragen


Das Wort „Komplementär“ lässt sich vom lateinischen „Complementum“ ableiten und heißt übersetzt „Ergänzung“. Komplementärfarben sind also sogenannte Ergänzungsfarben. Um diese zu ermitteln hilft der Farbkreis. Es gibt verschiedene Farbkreise. Designer nutzen meistens den Farbkreis nach Itten aus dem Jahr 1961. Er ist leicht verständlich und die Zusammenhänge der Farben lassen sich leicht erkennen. Komplementärfarben stehen sich im Farbkreis stets gegenüber. Es handelt sich dabei um gegensätzliche Farben die deutliche Kontraste bilden. Direkt nebeneinander sorgen Komplementärfarben für eine starke Farbwirkung. Auf dieser Webseite wird Dir noch genauer erklärt, was Komplementärfarben sind und wie du sie am besten einsetzt.

https://www.designerinaction.de/design-wissen/komplementaerfarben


3. Volumen

Beim maximalistischen Stil gilt natürlich: “Größer ist besser” Dafür eignen sich z.B. Oberteile und Kleider mit Puffärmeln und Rüschen oder auch voluminöse Röcke mit Tüll oder Volant.





Was bedeutet das konkret für die Sommermode 2022?

Der Sommer wird bunt und maximal kreativ! Das sind die wichtigsten Mode-Trends für die warme Jahreszeit:

  • Neongrün und Neongelb liegen nach wie vor im Trend. Sie dürfen jetzt gerne großflächig und am ganzen Körper (z.B. als Kleid oder Kostüm/Anzug) getragen werden

  • Alle Arten von Rosa- und Pinktönen sind erlaubt und zwar frei kombinierbar. Manche fühlen sich dabei sicher an die Prinzessinnenträume aus der Kindheit erinnert

  • Gold- und Metallic-Stoffe – jede Prinzessin braucht schließlich eine Krone

  • Auch der Strick-und Häkeltrend setzt sich fort. Dabei rücken grobmaschige Designs und Netze stärker in den Vordergrund

  • Ein femininer Stil ist angesagt, mit viel Rüschen und Tüll und romantischen Kleidern

  • Durchsichtig ist in! Für alle, die es wagen, Haut und Silhouette zu zeigen, wird der kommenden Sommer zum perfekten Laufsteg.



Maximalismus bedeutet nicht automatisch „mehr Konsum“

Bei dem Wort “Maximalismus” denken viele gleich an “maximales Shopping”. Aber das stimmt so nicht, im Gegenteil! Während man beim minimalistischen Kleidungsstil genau darauf achten muss, dass alles farblich und stilistisch zusammenpasste, kannst Du beim maximalistischen Trend verschiedene Farben und Stoffe frei kombinieren. Das eröffnet Dir ganz neue Möglichkeiten für Styles, die schon in Deinem Kleiderschrank hängen! Shopping ist also maximal überflüssig.


Denn Maximalismus bedeutet auch, alte Dinge aus vergangenen Jahrzehnten wiederzubeleben und wertzuschätzen. Dazu gehört etwa, Vintage-Kleidung und Retro-Stoffe heraus zu kramen und neu aufzutragen. Gerade durch die Ansammlung verschiedener Styles und Designs entsteht ja der kreative und facettenreiche Maximalismus-Look.


Wenn ihr euch selbst ein Bild von dem Trend machen wollt, könnt ihr euch mal ein Video der kalifornische Influencerin Beth Jones anschauen. Sie bezeichnet sich selbst als Maximalistin und begeistert mehr als 90.000 Abonnentinnen auf Instagram und YouTube mit ihren ausgefallenen Looks. Um die zusammen zu stellen, kauft sie ausschließlich in Second-Hand-Läden und Thrift-Stores ein.

https://www.youtube.com/channel/UCFmcgp5B3d02bg13nkZDpKQ



Warum ist Maximalismus nicht für jeden geeignet?

Wenn Du eher ein zurückhaltender Typ bist und nicht auffallen möchtest, fühlst Du Dich mit einem minimalistischen Kleidungsstil vermutlich wohler. Dann bleib dabei - oder beim klassische Chic, der ja auch seinen Reiz hat. Das Wichtigste ist, dass Du Dich in Deiner Kleidung wohl fühlst. Denn Kleidung spiegelt ja auch die Persönlichkeit wider.


Für manche Menschen ist tatsächlich eine größere Herausforderung als für andere, den Maximalismus-Look umzusetzen. Denn für die Kunst des Mischens von verschiedenen Farben und Mustern bedarf es etwas Übung und Fingerspitzengefühl – und manchmal auch den Rat eines Experten. Und wenn einem das Auge dafür fehlt, kann der Maximalismus-Look auch schnell als gewollt und nicht gekonnt aussehen. Oder einfach nur geschmacklos rüberkommen. Deshalb mein Tipp: Fangt erstmal mit einigen wenigen Teilen an, um langsam das Gefühl für den neuen Look zu entwickeln.


Wenn sich meine Freunde und Bekannten unsicher sind, ob ein bunter Look für sie passt, frage ich sie gerne: Fühlst du dich wirklich wohler in Kleidern, die weniger auffallen? Oder traust du dich einfach nur nicht, ausgefallenere Mode zu tragen? Falls sie die zweite Frage bejahen, ermutige ich sie dazu, auch mal etwas Neues auszuprobieren, wie etwa maximalistische Styles. Denn manchmal kann es ein sehr schönes Gefühl sein, mit seiner Kleidung aus dem Einheitsgrau herausstechen.


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